Faust - Johann Wolfgang von Goethe (internetowa biblioteka darmowa TXT) 📖
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- Autor: Johann Wolfgang von Goethe
- Epoka: Romantyzm
- Rodzaj: Dramat
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greife,
Und diese Glut, von der ich brenne,
Unendlich, ewig, ewig nenne,
Ist das ein teuflisch Lügenspiel?
MEPHISTOPHELES
Ich hab doch recht!
FAUST
Hör! merk dir dies —
Ich bitte dich, und schone meine Lunge —:
Wer recht behalten will und hat nur eine Zunge,
Behält’s gewiß.
Und komm, ich hab des Schwätzens Überdruß,
Denn du hast recht, vorzüglich weil ich muß.
GARTEN
Margarete an Faustens Arm, Marthe mit Mephistopheles auf und ab spazierend.
MARGARETE
Ich fühl es wohl, daß mich der Herr nur schont,
Herab sich läßt, mich zu beschämen.
Ein Reisender ist so gewohnt,
Aus Gütigkeit fürlieb zu nehmen;
Ich weiß zu gut, daß solch erfahrnen Mann
Mein arm Gespräch nicht unterhalten kann.
FAUST
Ein Blick von dir, ein Wort mehr unterhält
Als alle Weisheit dieser Welt.
Er küßt ihre Hand.
MARGARETE
Inkommodiert Euch nicht! Wie könnt Ihr sie nur küssen?
Sie ist so garstig, ist so rauh!
Was hab ich nicht schon alles schaffen müssen!
Die Mutter ist gar zu genau.
Gehn vorüber.
MARTHE
Und Ihr, mein Herr, Ihr reist so immer fort?
MEPHISTOPHELES
Ach, daß Gewerb und Pflicht uns dazu treiben!
Mit wieviel Schmerz verläßt man manchen Ort,
Und darf doch nun einmal nicht bleiben!
MARTHE
In raschen Jahren geht’s wohl an,
So um und um frei durch die Welt zu streifen;
Doch kömmt die böse Zeit heran,
Und sich als Hagestolz allein zum Grab zu schleifen,
Das hat noch keinem wohl getan.
MEPHISTOPHELES
Mit Grausen seh ich das von weiten.
MARTHE
Drum, werter Herr, beratet Euch in Zeiten.
Gehn vorüber.
MARGARETE
Ja, aus den Augen, aus dem Sinn!
Die Höflichkeit ist Euch geläufig;
Allein Ihr habt der Freunde häufig,
Sie sind verständiger, als ich bin.
FAUST
O Beste! glaube, was man so verständig nennt,
Ist oft mehr Eitelkeit und Kurzsinn.
MARGARETE
Wie?
FAUST
Ach, daß die Einfalt, daß die Unschuld nie
Sich selbst und ihren heil’gen Wert erkennt!
Daß Demut, Niedrigkeit, die höchsten Gaben
Der liebevoll austeilenden Natur —
MARGARETE
Denkt Ihr an mich ein Augenblickchen nur,
Ich werde Zeit genug an Euch zu denken haben.
FAUST
Ihr seid wohl viel allein?
MARGARETE
Ja, unsre Wirtschaft ist nur klein,
Und doch will sie versehen sein.
Wir haben keine Magd; muß kochen, fegen, stricken
Und nähn und laufen früh und spat;
Und meine Mutter ist in allen Stücken
So akkurat!
Nicht daß sie just so sehr sich einzuschränken hat;
Wir könnten uns weit eh’r als andre regen:
Mein Vater hinterließ ein hübsch Vermögen,
Ein Häuschen und ein Gärtchen vor der Stadt.
Doch hab ich jetzt so ziemlich stille Tage:
Mein Bruder ist Soldat,
Mein Schwesterchen ist tot.
Ich hatte mit dem Kind wohl meine liebe Not;
Doch übernähm ich gern noch einmal alle Plage,
So lieb war mir das Kind.
FAUST
Ein Engel, wenn dir’s glich.
MARGARETE
Ich zog es auf, und herzlich liebt es mich.
Es war nach meines Vaters Tod geboren.
Die Mutter gaben wir verloren,
So elend wie sie damals lag,
Und sie erholte sich sehr langsam, nach und nach.
Da konnte sie nun nicht dran denken,
Das arme Würmchen selbst zu tränken,
Und so erzog ich’s ganz allein,
Mit Milch und Wasser, so ward’s mein.
Auf meinem Arm, in meinem Schoß
War’s freundlich, zappelte, ward groß.
FAUST
Du hast gewiß das reinste Glück empfunden.
MARGARETE
Doch auch gewiß gar manche schwere Stunden.
Des Kleinen Wiege stand zu Nacht
An meinem Bett; es durfte kaum sich regen,
War ich erwacht;
Bald mußt ich’s tränken, bald es zu mir legen,
Bald, wenn’s nicht schwieg, vom Bett aufstehn
Und tänzelnd in der Kammer auf und nieder gehn,
Und früh am Tage schon am Waschtrog stehn;
Dann auf dem Markt und an dem Herde sorgen,
Und immer fort wie heut so morgen.
Da geht’s, mein Herr, nicht immer mutig zu;
Doch schmeckt dafür das Essen, schmeckt die Ruh.
Gehn vorüber.
MARTHE
Die armen Weiber sind doch übel dran:
Ein Hagestolz ist schwerlich zu bekehren.
MEPHISTOPHELES
Es käme nur auf Euresgleichen an,
Mich eines Bessern zu belehren.
MARTHE
Sagt grad, mein Herr, habt Ihr noch nichts gefunden?
Hat sich das Herz nicht irgendwo gebunden?
MEPHISTOPHELES
Das Sprichwort sagt: Ein eigner Herd,
Ein braves Weib sind Gold und Perlen wert.
MARTHE
Ich meine: ob Ihr niemals Lust bekommen?
MEPHISTOPHELES
Man hat mich überall recht höflich aufgenommen.
MARTHE
Ich wollte sagen: ward’s nie Ernst in Eurem Herzen?
MEPHISTOPHELES
Mit Frauen soll man sich nie unterstehn zu scherzen.
MARTHE
Ach, Ihr versteht mich nicht!
MEPHISTOPHELES
Das tut mir herzlich leid!
Doch ich versteh — daß Ihr sehr gütig seid.
Gehn vorüber.
FAUST
Du kanntest mich, o kleiner Engel, wieder,
Gleich als ich in den Garten kam?
MARGARETE
Saht Ihr es nicht, ich schlug die Augen nieder.
FAUST
Und du verzeihst die Freiheit, die ich nahm?
Was sich die Frechheit unterfangen,
Als du jüngst aus dem Dom gegangen?
MARGARETE
Ich war bestürzt, mir war das nie geschehn;
Es konnte niemand von mir Übels sagen.
Ach, dacht ich, hat er in deinem Betragen
Was Freches, Unanständiges gesehn?
Es schien ihn gleich nur anzuwandeln,
Mit dieser Dirne gradehin zu handeln.
Gesteh ich’s doch! Ich wußte nicht, was sich
Zu Eurem Vorteil hier zu regen gleich begonnte;
Allein gewiß, ich war recht bös auf mich,
Daß ich auf Euch nicht böser werden konnte.
FAUST
Süß Liebchen!
MARGARETE
Laßt einmal!
Sie pflückt eine Sternblume und zupft die Blätter ab, eins nach dem andern.
FAUST
Was soll das? Einen Strauß?
MARGARETE
Nein, es soll nur ein Spiel.
FAUST
Wie?
MARGARETE
Geht! Ihr lacht mich aus.
Sie rupft und murmelt.
FAUST
Was murmelst du?
MARGARETE
halblaut.
Er liebt mich — liebt mich nicht.
FAUST
Du holdes Himmelsangesicht!